Tell Arad

Titelbild: Luftbild der Ausgrabungsstätte Tel Arad. Zu sehen ist auch die Ruine des antiken Militärstützpunkts

Israelische Wissenschaftler wollten in einer jetzt veröffentlichten Studie Erkenntnisse zur möglichen Entstehungszeit des Alten Testaments gewinnen. Dazu haben sie eine etwas überraschende Vorgehensweise gewählt: Ein Textcorpus aus der Zeit des ersten Tempels wurde einer Handschriftenanalyse unterzogen, um die Anzahl der nachweisbaren Autoren zu bestimmen. So wollte man sich ein Bild davon machen, wie es vor dem babylonischen Exil im Königreich Juda um die Bildung bestellt war – und wie wahrscheinlich es ist, dass in einem solchen Umfeld literarische Texte entstanden sein könnten.Continue reading

Die Homepage von Logos 6 lädt zum Stöbern in der eigenen Bibliothek ein.

Update 13.03.16: Jetzt ist auch das etwas später publik gemachte Gold-Paket berücksichtigt. Details im Text.

Letzten Herbst habe ich das professionelle Bibelprogramm Logos 6 Gold getestet. Damals war eine der größten Hürden für deutsche Nutzer noch, dass es fast nur englisches Material gab. Das hat sich jetzt geändert. (Hier geht es zu meiner Besprechung von Logos 6.)

Auf einer eigenen neuen Webseite gibt es seit kurzem deutsche Logos 6-Basispakete zum Vorbestellen. Die drei Pakete unterscheiden sich in Umfang und Preis (Vergleich hier):

  • Das Bronze-Paket kostet regulär knapp 230€ (Einführungspreis: 212,49€, eigentlicher Gesamtwert 1.743,86€)
  • Das Silber-Paket kostet regulär knapp 550€ (Einführungspreis: 509,99€, eigentlicher Gesamtwert 4.154,58€)
  • Das Gold-Paket kostet regulär etwa 940€ (Einführungspreis: 799.97€, eigentlicher Gesamtwert €11,050.71).

Die Euro-Preise sind dabei aktuelle, dynamische Umrechnungen des fixen Dollar-Preises. Nach meinen Informationen sind alle in Bronze enthaltenen Ressourcen auch in Silber verfügbar. Ähnliches sollte für den Sprung von Silber auf Gold gelten.

Zu beachten ist zudem der „dynamische Preis“, der bestehenden Kunden zugute kommt: Wer einzelne Werke aus den Paketen schon besitzt, muss diese nicht noch einmal bezahlen. Entsprechend verbilligt sich das Ganze. In meinem Fall wären für das Bronze-Paket z.B. nur 87€ und für Silber nur 232€ fällig, für Gold immerhin 604€.Continue reading

Alpheios

Beitragsbild: Alpheios-Toolbar und Analysefenster auf bibelwissenschaft.de

Wer exegetisch forscht, muss gelegentlich griechische Quellentexte lesen. Und bevor jetzt jemand mit „Ja selbstverständlich!“ reagiert: Ich rede von Texten, die nicht zum Neuen Testament gehören. Es könnte der obskure antike Schriftsteller sein, der ein kompliziertes Wort benutzt, das im Neuen Testament nur ein paar Mal vorkommt. Oder man möchte im Original nachvollziehen, wie dieser oder jener Kirchenvater eine bestimmte Bibelstelle interpretiert hat. Die entsprechenden altgriechischen Quellen gibt es recht häufig im Internet zu finden.

Das Problem: Nicht jeder kann so gut Griechisch, dass er solche Texte ohne Hilfsmittel verstehen könnte. Oft ist man auch als ausgebildeter Exeget zumindest auf ein Wörterbuch angewiesen. Das Nachschlagen von Wörtern oder die Formenbestimmung erledigt für viele moderne Theologen normalerweise das professionelle Bibelprogramm. Bloß hilft das wenig, wenn man stattdessen mit digitalen Texten aus dem Netz arbeiten muss. Oder wenn man gar kein solches Bibelprogramm besitzt.Continue reading

Es ist eine dieser biblischen Geschichten, die jeder kennt. Und die uns dennoch etwas lehren kann, das in unserer Zeit dringend gebraucht wird.

Ein Schriftgelehrter will von Jesus wissen, wie Nächstenliebe funktioniert. Der erzählt die berühmte Geschichte von einer grausamen Schandtat und einem hilflos zurückgelassenen Opfer, das dringend auf medizinische Versorgung angewiesen ist. Religiöse Vorbildfiguren kommen vorbei und trauen sich nicht zu helfen. Ausgerechnet einer, von dem niemand etwas Gutes erwarten würde, hilft dem Verletzten schließlich unter Einsatz seines Lebens.

Nächstenliebe!, mag man beim Lesen der Geschichte mit einem Seufzen denken: ein schönes Ideal! Das muss ich mir merken, falls ich mal in der U-Bahn oder am Straßenrand einen Verletzten sehe, um den sich keiner kümmert. Und mit einem schönen Gefühl im Bauch blättert man weiter. So ging es mir zumindest lange Zeit.

Doch wer bisher dachte, der barmherzige Samariter sei nicht mehr als eine nette Illustration der Nächstenliebe, der verpasst etwas ganz Wesentliches.Continue reading

365meme

Es ist eine christliche Ermutigungsformel, die man hin und wieder hört: In der Bibel soll 365 mal „Fürchte dich nicht“ stehen – für jeden Tag des Jahres einmal. So auch in dem Facebook-Meme von Tobymac, das unglaubliche 190.000 mal geteilt wurde. Aber stimmt das wirklich?

Das sollte man eigentlich mit einem Bibelprogramm nachprüfen können. Die Kunst dabei ist nur, richtig zu zählen. Denn leider hat der anonyme Urheber dieses Zitats (es war nicht TobyMac) nicht überliefert, mit welcher Methode er auf die Zahl kam.

Mit anderen Worten:

Welche Wendungen sollte ich zählen? Und in welcher Übersetzung? Oder sollte ich gleich in den Urtext schauen?

Probieren wir es einfach mal.Continue reading

Museo_Correr_A_Dürer_Apocalypse

Titelbild: Albrecht Dürer, Der Erzengel Michael bekämpft den Drachen (1498)

Es gibt unter konservativen Christen solche, die sich immer dann zu Wort melden, wenn es in der Welt nicht gut läuft. Meinungsführer, die stets mahnen. Oder christliche Autoren, deren gesamtes Werk sich darauf beschränkt, sich von anderen (Gläubigen) abzugrenzen oder zu kritisieren. Meist geht es um die bedenkliche Entwicklung der Gesellschaft oder der Christenheit. Wörter wie „Abfall“, „Irrweg“ oder „Endzeit“ fehlen in kaum einem Buch, keiner Predigt.

Wer sich davon beeinflussen lässt, bekommt Angst vor „der Islamisierung“, dem sexuellen Wandel oder was auch immer die Landeskirchen gerade tun. In Deutschland gehören neben theologisch Andersdenkenden vor allem Linke, Grüne und der Papst zu den Lieblingsfeinden. Hier in den Vereinigten Staaten ist dieser Menschenschlag besonders paranoid. Man fürchtet sich vor Obama (Antichrist), den Vereinten Nationen oder dem Schreckgespenst Sozialismus. (Nicht alles typisch christlich, doch die Christen teilen sich viel mit ebenso paranoiden Republikanern. Im Hinterkopf behalten, ich komme gleich nochmal auf diese Mischung zurück.)

Aus diesen einschlägigen Kreisen schallt seit dem Urteil des Obersten US-Gerichtshofs vor allem das Begriffspaar „Homo-Ehe“ und „Endzeit“, auf beiden Seiten des Atlantik. Kaum einer hält Begründungen für nötig. Aber alle fürchten sich.

Ein Gastkommentar beim christlichen Medienmagazin pro vom Tag nach der Urteilsverkündung schlägt genau in diese Kerbe. Der Autor Dr. Uwe Siemon-Netto liefert ein Musterbeispiel dafür, warum Christen nur solchen Wortführern vertrauen sollten, die ihre Position auch mit guter Exegese begründen können. Der Artikel bei „pro“ erfüllt leider weder journalistische noch exegetische Ansprüche. Es ist erstaunlich, was da von einem erfahrenen Journalisten und promovierten Theologen (Wikipedia) zu lesen ist. Eine Twitter-Reaktion fiel sogar noch drastischer aus: Continue reading

Frans_Floris_(Schule)_Bejubelung_Davids_nach_dem_Kampf_mit_Goliath_beitrag

Titelbild: Ein hingerissener (?) David wird von den jungen Damen bejubelt. Der Kopf des Riesen baumelt vergessen an seiner Hand.

Jedes Kind kennt die Geschichte von David und Goliat, wie der junge Hirte den gewaltigen Kämpfer mit einem Schuss seiner Schleuder erlegte und so das Heer der Philister besiegte. Das Auftreten des Riesen beschreibt die Bibel so:

Da kam ein Vorkämpfer aus dem Lager der Philister hervor. Sein Name [war] Goliat aus Gat. Seine Größe [war] sechs Ellen und eine Handspanne. (1Sam 17,4, eigene Übersetzung)

Sagte ich „Das Auftreten des Riesen“? Es stimmt schon, mit über sechs Ellen Größe ist Goliat über drei Meter groß und definitiv ein Riese. Aber „Riese“ wird der gewaltige Philister hier genau genommen gar nicht genannt. Die hebräische Bibel nennt den Giganten einen „Mann des Dazwischen“. Diese Bezeichnung benutzt die Bibel nur bei Goliat und nur hier, daher ist ihre Bedeutung unsicher. Die deutsche Übersetzung „Vorkämpfer“ schafft auch nicht gerade Klarheit.Continue reading

Wie jeden Monat sammle ich die interessantesten Blogs und Artikel zur Bibel, die mir untergekommen sind. Viel Spaß beim Stöbern und Schmökern!

 

Deutsche Artikel

Kunigunde verfasst auf Κατὰ Μᾶρκον einen übersichtlichen Artikel zu dem rätselhaften Markus-Fragment aus dem 1. Jahrhundert: Ältester Papyrus des Markusevangeliums aus dem 1. Jahrhundert? (Siehe auch meinen eigenen Artikel.)

Michael Wolffsohn erklärt in der FAZ, warum die Zehn Gebote das Morden, nicht aber das Töten verbieten, und was das für unsere Ethik bedeutet. Insbesondere für Situationen wie den Kampf gegen den Islamischen Staat. Krieg und Terror: Du darfst töten in der Not

Philipp Keller setzt sich in einer kleinen Reihe mit Klaus Bergers umstrittenem Buch „Die Bibelfälscher“ auseinander.

Chris von Im Anfang war das Wort beobachtet am Anfang von 1. Samuel interessante Parallelen zwischen Hannas und Elis FamilieEine Geschichte zweier Familien (1. Teil) Continue reading

Markus-Fragment

Titelbild: Nicht das Markus-Fragment, aber ebenfalls aus einer Mumienmaske stammt dieses Papyrus.

Viel wurde inzwischen geschrieben über ein mysteriöses Papyrusfragment des Markus-Evangeliums, das aus dem 1. Jahrhundert stammen soll. Anstatt die Geschichte zu wiederholen, soll dieser Post alle Informationen sammeln, die zu dem Markus-Fragment bekannt sind. Den Artikel möchte ich gerne auf dem neusten Stand halten und regelmäßig aktualisieren. Dabei freue ich mich auch auf Leser-Hinweise!

Von dem Phantom-Papyrus ist seit 2012 immer wieder die Rede, doch auf eine wissenschaftliche Analyse aus erster Hand oder verlässliche Fakten warten wir bis heute. Obwohl es für gewöhnlich als unmöglich gilt, eine antike Handschrift so genau zu datieren, sind sich die eingeweihten Experten sicher: Der Text auf dem Stück Papyrus wurde im 1. Jahrhundert, nach einigen Angaben um 80 oder 90 n. Chr. verfasst. Wenn das stimmt, hätten wir es mit einem Jahrhundertfund zu tun. Es wäre die älteste bekannte Abschrift des Neuen Testaments (s.a. mein erster kurzer Bericht) und ein höchst unwahrscheinlicher Fund.Continue reading