Beitragsbild: Alpheios-Toolbar und Analysefenster auf bibelwissenschaft.de

Wer exegetisch forscht, muss gelegentlich griechische Quellentexte lesen. Und bevor jetzt jemand mit „Ja selbstverständlich!“ reagiert: Ich rede von Texten, die nicht zum Neuen Testament gehören. Es könnte der obskure antike Schriftsteller sein, der ein kompliziertes Wort benutzt, das im Neuen Testament nur ein paar Mal vorkommt. Oder man möchte im Original nachvollziehen, wie dieser oder jener Kirchenvater eine bestimmte Bibelstelle interpretiert hat. Die entsprechenden altgriechischen Quellen gibt es recht häufig im Internet zu finden.

Das Problem: Nicht jeder kann so gut Griechisch, dass er solche Texte ohne Hilfsmittel verstehen könnte. Oft ist man auch als ausgebildeter Exeget zumindest auf ein Wörterbuch angewiesen. Das Nachschlagen von Wörtern oder die Formenbestimmung erledigt für viele moderne Theologen normalerweise das professionelle Bibelprogramm. Bloß hilft das wenig, wenn man stattdessen mit digitalen Texten aus dem Netz arbeiten muss. Oder wenn man gar kein solches Bibelprogramm besitzt. weiterlesen

Es ist eine christliche Ermutigungsformel, die man hin und wieder hört: In der Bibel soll 365 mal „Fürchte dich nicht“ stehen – für jeden Tag des Jahres einmal. So auch in dem Facebook-Meme von Tobymac, das unglaubliche 190.000 mal geteilt wurde. Aber stimmt das wirklich?

Das sollte man eigentlich mit einem Bibelprogramm nachprüfen können. Die Kunst dabei ist nur, richtig zu zählen. Denn leider hat der anonyme Urheber dieses Zitats (es war nicht TobyMac) nicht überliefert, mit welcher Methode er auf die Zahl kam.

Mit anderen Worten:

Welche Wendungen sollte ich zählen? Und in welcher Übersetzung? Oder sollte ich gleich in den Urtext schauen?

Probieren wir es einfach mal. weiterlesen

In dieser Serie präsentiere ich euch jeden Monat die interessantesten Bibel-bezogenen Artikel aus dem Netz, die ich gefunden habe.

Die Nachricht des Monats

Was bisher für unmöglich gehalten wurde, könnte eintreten: Ein Papyrus-Fetzen aus dem Markus-Evangelium, der möglicherweise aus dem 1. Jahrhundert stammt, hat in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht. Hier ein englischer Bericht. UPDATE: Inzwischen erfahrt ihr auch hier alle Fakten zum Markus-Fragment.

Wenn die Berichte stimmen, wäre das eine echte Sensation. Die Bibel ist schon jetzt das bei weitem am besten erhaltene Werk der Antike. Die ältesten Zeugnisse stammen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert. Von anderen Werken antiker Autoren haben wir oft nur Abschriften aus dem Mittelalter. weiterlesen

Was ich anderswo veröffentlicht habe

Ein kleines „Abjatar-Spezial“

Ein vertracktes Problem finden Exegeten und Apologeten in Markus 2, wo Jesus eine Geschichte aus dem Alten Testament wiedergibt und dabei den Hohenpriester Abjatar erwähnt. Der war in der beschriebenen Szene aus 2. Samuel jedoch weder der anwesende Priester noch jemals Hoherpriester war. In den vergangenen Monaten habe ich gleich vier lesenswerte Blogeinträge entdeckt, die das Thema genauer unter die Lupe nehmen: weiterlesen

Am vergangenen Montag ist Logos 6, die neue Version von Logos Bibelsoftware erschienen. Warum schreibe ich das überhaupt?, werden manche fragen, die Logos noch nie ausprobiert haben. Es ist weniger die Tatsache, dass ich momentan selbst einen kleinen Beitrag zum Programm leiste, als dass ich mir Bibelarbeit und Exegese ohne Logos einfach nicht mehr vorstellen kann.

 

Was ist das Besondere an Logos?

Ich bin ja schon kurz auf das Programm eingegangen. Logos Bibelsoftware 6 hat nicht nur ganz tolle Funktionen, um den Bibeltext ohne viel Aufwand zu erforschen, beispielsweise Wortstudien zu machen, Kommentare und Wörterbücher ganz einfach nachzuschlagen oder Übersetzungen miteinander oder dem Urtext zu vergleichen. Genauso spannend sind die Werkzeuge, die einem zu einer Bibelstelle beispielsweise Material für die Predigtvorbereitung zusammenstellen. weiterlesen

Was ist ein Biblioblog? Die kurze Antwort lautet: Ein Blog über die Bibel. Um etwas weiter auszuholen: Der Begriff stammt aus dem Englischen, wo „Biblioblog“ ein stehender Begriff ist für einen Blog, der sich mit der Bibel auseinandersetzt. Im deutschen Sprachraum dagegen ist der Begriff offenbar eher als Selbstbezeichnung bloggender Bibliothekare bekannt. Deutsche Blogs, die sich mit der Bibel befassen, laufen dagegen eher unter der Bezeichnung „Bibel-Blogs“.

Die angelsächsische „Biblio-Blogosphäre“ ist übrigens höchst aktiv. Die Beiträge zur bibelwissenschaftlichen Forschung, die von bloggenden Exegeten gemacht werden, sind oft unersetzlich. 2012 wurde ein antikes Fragment veröffentlicht, auf dem von Jesu Frau die Rede zu sein scheint. Den bloggenden Experten gelang es binnen weniger Tage, den Pergamentfetzen fast zweifelsfrei als moderne Fälschung zu identifizieren. weiterlesen

Wie einen neuen Blog beginnen? Vielleicht mit einer persönlichen Besinnung auf die Werte des Schreibens.

Der Theologe und Blogger Charles Halton hat vor einiger Zeit einen fast schon trivial klingenden, aber wertvollen Gedanken festgehalten: Das Schreiben ist ein Geschenk. Nicht für den Autor, sondern für die Leser. Wer schreibt, um bekannt zu werden, schreibt aus den falschen Motiven, so Halton, denn: Geniale literarische Werke lassen sich nicht planen. Halton schließt daraus für Akademiker: Genauso wenig kommt jemand zu bahnbrechenden neuen Forschungsergebnissen, wenn sich jemand in den Kopf setzt, im nächsten Jahr einen Nobelpreis zu gewinnen. Schreiben sollte man also quasi aus Vergnügen, zum uneigennützigen Selbstzweck, und nicht Kalkül.

Ich will diesen Gedanken aufs Bloggen übertragen: Auch dabei zählt die Motivation. Geht es mir um Selbstdarstellung? Oder ist mein Ziel, dass meine Leser einen Gewinn haben? weiterlesen