Lesetipps von anderen Bibelblogs (Januar)

In dieser Serie präsentiere ich euch jeden Monat die interessantesten Bibel-bezogenen Artikel aus dem Netz, die ich gefunden habe.

Die Nachricht des Monats

Was bisher für unmöglich gehalten wurde, könnte eintreten: Ein Papyrus-Fetzen aus dem Markus-Evangelium, der möglicherweise aus dem 1. Jahrhundert stammt, hat in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht. Hier ein englischer Bericht. UPDATE: Inzwischen erfahrt ihr auch hier alle Fakten zum Markus-Fragment.

Wenn die Berichte stimmen, wäre das eine echte Sensation. Die Bibel ist schon jetzt das bei weitem am besten erhaltene Werk der Antike. Die ältesten Zeugnisse stammen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert. Von anderen Werken antiker Autoren haben wir oft nur Abschriften aus dem Mittelalter. “Lesetipps von anderen Bibelblogs (Januar)” weiterlesen

Genau und verständlich übersetzt? Die Offene Bibel und der Trick, der es möglich macht

Schon Luther hat es erkannt: Wenn man bei möchte, dass die Leute eine Bibelübersetzung verstehen, muss man “dem Volk auf’s Maul schauen” und darf eben nicht an jeder Stelle wörtlich übersetzen. Sprachen lassen sich nicht 1:1 übersetzen; die Bibel ist da keine Ausnahme. Ein Wortspiel, das ein Jude im 1. Jahrhundert verstanden hätte, das verstand ein deutscher Bauer im 16. Jahrhundert noch lange nicht.

Die anonymen Übersetzer des Alten Testaments in Griechische setzten andere Prioritäten. Die so genannte “Septuaginta” entstand in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Die Übersetzer wollten das Wort Gottes auf keinen Fall entstellen und bemühten sich um eine weitgehend “wörtliche” Übersetzung. Heraus kam dann ein Griechisch, das eher Hebräisch klang. Es übertrug den hebräischen Satzbau direkt ins Griechische und verwendete griechische Verben so wie hebräische. Die Übersetzung war die einzige Möglichkeit für Griechisch sprechende Juden, die Hebräische Bibel zu lesen. Verständlich oder nicht, sie war ein so durchschlagender Erfolg, dass sie unter den frühen Christen Standard-Bibel war und an zahlreichen Stellen im Neuen Testament zitiert wird. Die Septuaginta war eine Übersetzung von Juden für Juden. Ich vermute allerdings, dass die Griechen darin eher einen weiteren Grund gefunden hätten, sich über dieses seltsame Volk zu amüsieren. Ein Volk mit nur einem Gott und merkwürdigen Bräuchen, da passte ein merkwürdiges religiöses Buch bestens, keine weiteren Fragen.

Offene Bibel und Luther: Es gibt Parallelen
Das Lächeln des Reformators: Die Offene Bibel ist gewissermaßen auf den Spuren Luthers (hier auf einem Gemälde von Lukas Cranach d. J., 1558)

Bis heute sind sich Übersetzer und Leser der Bibel nicht einig geworden, ob nun eine wörtliche oder eine auf Verständlichkeit ausgelegte Übersetzungsmethode besser ist. Das ist ja auch kein Wunder; beide Ansätze haben ihre Stärken – aber eben auch Schwächen. Keine Übersetzung kann zur gleichen Zeit völlig genau und optimal verständlich sein. Man kann entweder den Sinn des Textes möglichst getreu übertragen, oder seinen Wortlaut. Irgendwie unbefriedigend.

Aber muss man sich mit diesem Zustand zufrieden geben? Die Offene Bibel ist eine relativ neue deutsche Übersetzung, die sich nicht zufrieden gibt. “Genau und verständlich übersetzt? Die Offene Bibel und der Trick, der es möglich macht” weiterlesen

Lesetipps – andere Bibelblogs (Dezember)

Diesen Monat halten wir es ein bisschen kürzer – dafür machen ein paar Weihnachts-Artikel den Anfang. Da die beiden Links Englisch sind, wollte ich nochmal kurz auf unsere beiden Weihnachts-Gastartikel verweisen, in denen mein guter Freund und neuer Mitblogger Mario erklärt, wie der Prophet Jesaja den Messias, den kommenden Retter, vorhersagt (Teil 1 und Teil 2).

 

Zu Weihnachten

Unter unsere Weihnachtsbäume stellen wir Deutschen traditionell gerne ein Krippenset. Mit Christkind, Eltern, Hirten, Tieren, Weisen, und das häufig in einem Stall. Dabei ist in der Bibel zwar von einer Krippe die Rede, aber nirgends von einem Stall. Doch was für ein Gebäude war es dann? Dieses englische Video erklärt, wie es möglicherweise in Wirklichkeit gewesen ist: “Lesetipps – andere Bibelblogs (Dezember)” weiterlesen

Weihnachtliches: Die Geburt des Messias als Zeichen für das Volk Gottes. Die Messiasankündigung in Jesaja IX (Teil II)

Titelbild: Das Relief Sanheribs, welches die assyrische Belagerung der judäischen Stadt Lachisch darstellt

Dies ist der zweite und abschließende Teil der Artikelserie zur Messiasverheißung in Jesaja 9. Er schließt direkt an den ersten Teil an und setzt dessen Lektüre voraus.

Jesaja 9,1-6: Gott weckt lauten Jubel!

Die Verheißung in Jesaja 9 steht genau zwischen den Prophezeiungen in Jes 7 und 11. Während Jes 7 vor allem in die geschichtliche Situation Israels zur Zeit des Syro-Ephraimitischen Krieges hineinspricht, blickt Jesaja 11 bereits sehr weit in die Zukunft, in die Zeit des Friedensreiches des Messias. Jes 9,1-6 aber zeigt uns ganz zentral, wer dieser Messias ist, dessen Geburt Zeichen zum Gericht und zur Ewigen Erlösung ist. Im folgenden Abschnitt soll daher dieses Gotteswort an Jesaja Vers für Vers ausgelegt werden.

8,23: Doch bleibt nicht im Dunkel [das Land], das bedrängt ist. Wie er in der vorherigen Zeit dem Land Sebulon und dem Land Naphtali Schmach antat, so wird er in der letzten Zeit den Weg am See zu Ehren bringen, jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden: “Weihnachtliches: Die Geburt des Messias als Zeichen für das Volk Gottes. Die Messiasankündigung in Jesaja IX (Teil II)” weiterlesen

Weihnachtliches: Die Geburt des Messias als Zeichen für das Volk Gottes. Die Messiasankündigung in Jesaja IX

Titelbild: Der Prophet Jesaja in der sixtinischen Kapelle

Anmerkung des Herausgebers: Dieser Beitrag stammt von Mario Tafferner, der mir in den kommenden Monaten beim Bloggen helfen wird. Er ist zuerst in der Zeitschrift Bekennende Kirche Nr 59 erschienen.

Dies ist Teil 1 eines zweiteiligen längeren Beitrags. Im Vorfeld von Weihnachten soll es um die Ankündigung des Messias in Jesaja 9 gehen. Dieser erste Teil erklärt den historischen sowie literarischen Kontext von Jesaja 9,1-6, die zentral untersuchte Verheißung in diesem Post. (Zu Teil 2)

Einleitung

Auch wenn wir in Europa bereits in einer nach-christlichen Kultur leben, so ist Weihnachten noch immer ein schillerndes Überbleibsel unseres christlichen Erbes. Die Geburt Jesu als Anlass für dieses Fest ist vielerorts leider in Vergessenheit geraten. Was aber ist mit uns Christen? Haben wir verstanden, warum Weihnachten ein so bedeutender Anlass ist, unseren Herrn zu feiern? In diesem Aufsatz möchte ich aufzeigen, dass die Geburt des Messias in der Schrift mehr bedeutet, als lediglich ein „ins-Leben-treten“ unseres Heilands. Freilich lehrt uns der Apostel Paulus in Philipper 2,1-10, dass Jesu Menschwerdung bereits von Anfang an (ja schon vor Erschaffung der Welt – Eph 1,4!) seine „Erniedrigung bis zum Tod am Kreuz“ zum Ziel hatte. Doch von Jesu Opfer soll dieser Text nicht in erster Linie handeln. Ebenso wenig soll das Geheimnis der Menschwerdung Gottes Gegenstand dieses Aufsatzes sein. Beide oben genannten Aspekte der Geburt Jesu sind unerlässlich für unser Heil und von äußerster Wichtigkeit. Jedoch will ich hier auf einen weiteren, oftmals unbedachten Aspekt der Geburt des Messias hinweisen: die Geburt des Messias ist ein Zeichen für das Volk Gottes. “Weihnachtliches: Die Geburt des Messias als Zeichen für das Volk Gottes. Die Messiasankündigung in Jesaja IX” weiterlesen

Lesetipps – andere Bibelblogs (November)

Was ich anderswo veröffentlicht habe

Ein kleines “Abjatar-Spezial”

Ein vertracktes Problem finden Exegeten und Apologeten in Markus 2, wo Jesus eine Geschichte aus dem Alten Testament wiedergibt und dabei den Hohenpriester Abjatar erwähnt. Der war in der beschriebenen Szene aus 2. Samuel jedoch weder der anwesende Priester noch jemals Hoherpriester war. In den vergangenen Monaten habe ich gleich vier lesenswerte Blogeinträge entdeckt, die das Thema genauer unter die Lupe nehmen: “Lesetipps – andere Bibelblogs (November)” weiterlesen

Das leistungsfähigste Bibelprogramm: Logos 6 erschienen

Am vergangenen Montag ist Logos 6, die neue Version von Logos Bibelsoftware erschienen. Warum schreibe ich das überhaupt?, werden manche fragen, die Logos noch nie ausprobiert haben. Es ist weniger die Tatsache, dass ich momentan selbst einen kleinen Beitrag zum Programm leiste, als dass ich mir Bibelarbeit und Exegese ohne Logos einfach nicht mehr vorstellen kann.

UPDATE: Im Dezember 2015 sind die ersten deutschen Basispakete (Webseite) veröffentlicht worden. Hier meine detaillierte Analyse.

Was ist das Besondere an Logos?

Ich bin ja schon kurz auf das Programm eingegangen. Logos Bibelsoftware 6 hat nicht nur ganz tolle Funktionen, um den Bibeltext ohne viel Aufwand zu erforschen, beispielsweise Wortstudien zu machen, Kommentare und Wörterbücher ganz einfach nachzuschlagen oder Übersetzungen miteinander oder dem Urtext zu vergleichen. Genauso spannend sind die Werkzeuge, die einem zu einer Bibelstelle beispielsweise Material für die Predigtvorbereitung zusammenstellen. “Das leistungsfähigste Bibelprogramm: Logos 6 erschienen” weiterlesen

Lesetipps – andere Bibelblogs

Gar nicht so einfach, regelmäßig Zeit und Energie zum Schreiben zu finden! Aber keine Angst, ich habe viele Ideen und einige Beiträge in Arbeit. Bis ich mal wieder zum Schreiben komme, will ich euch auf einige interessante bibelbezogene Beiträge im Netz hinweisen.

Auf dem deutschen Logos-Blog hat Philipp Keller in anrührender Weise die Lutherbibel vorgestellt:

Die Luther-Bibel – Wiege der Deutschen Bibeln

 

Das Ende des Markusevangeliums ist vielleicht eines der interessantesten und bekanntesten historischen Probleme der Bibel. Oliver Achilles stellt hier fachkundig und sehr anschaulich dar, was uns darüber bekannt ist und welche Schlussfolgerungen das zulässt.

Wie endet das Markus-Evangelium?

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Die Verfasser der Evangelien: Wie die Evangelienüberschriften verbreitete Thesen in Frage stellen

Eusebius' Kanontafel aus einer mittelalterlichen Handschrift nennt die vier Evangelien

Titelbild: Die Kanontafel von Eusebius (hier in einem schön illustrierten Buch aus dem Mittelalter) führt die Evangelien unter den traditionellen Verfassernamen.

Dass die eigentlichen Urheber unserer Evangelien heute nicht mehr auszumachen sind, ist in der modernen Evangelienforschung weiterhin eine häufig vertretene Annahme. Nicht einmal die Bibel selbst scheint uns ja wirklich verraten zu wollen, wer die Evangelien geschrieben hat. Zwar beginnt jedes der vier Bücher auch im Griechischen mit einer Überschrift, die den Namen des Verfassers enthalten soll: “(Evangelium) nach Markus”, usw. Aber viele Forscher nehmen an, dass diese Angaben erst später ergänzt wurden, um diese Berichte von Jesus als besonders zuverlässig darzustellen. Kein Wunder, denn Matthäus, Johannes Markus, Lukas und Johannes waren in der frühen Kirche angesehene Männer, deren Wort Gewicht hatte.

Ein verbreitetes Erklärungsmodell

Diese Erklärung klingt vielleicht erst einmal weit hergeholt, lässt sich aber ganz gut begründen. “Die Verfasser der Evangelien: Wie die Evangelienüberschriften verbreitete Thesen in Frage stellen” weiterlesen

Wie gut ist die Menge-Bibel?

Die Einheitsübersetzung soll Open Access werden

Auf dem deutschen Blog von Logos Bibelsoftware läuft momentan eine Reihe zur Menge-Bibel. Bis dato sind zwei Teile erschienen: 1. Wie Menge die Bibel entdeckte und 2. Die Menge-Bibel: Der Elchtest. UPDATE: Inzwischen ist auch der 3. Teil erschienen: Warum die Menge-Bibel in keiner Bibliothek fehlen sollte. Ebenfalls lesenswert.

Unser Schweizer Blogger Philipp Keller beschreibt in Teil 1 Menges persönlichen Hintergrund und Entdeckung der Bibel. In Teil 2 haben wir uns gemeinsam anhand von einzelnen Bibelstellen angesehen, wie Menge beim Übersetzen vorgegangen ist. “Wie gut ist die Menge-Bibel?” weiterlesen

Neuer Blog für Logos Deutsch

Seit dem 1. August gibt es den deutschen Blog von Logos Bible Software. Als einer der Autoren werde ich in Kürze zumindest gelegentlich Beiträge für die Bibelsoftware-Firma verfassen.

Logos 5 ist im englischen Sprachraum ein führendes professionelles Bibelprogramm. Neben sehr wirkungsvollen exegetischen Werkzeugen besticht es vor allem durch zehntausende Ebooks, die sich in das Programm einbinden lassen. Digitale Konkordanzen, Wörterbücher, Bibellexika und Kommentare stehen so direkt zur Arbeit am Bibeltext zur Verfügung. Die amerikanische Firma war in jüngerer Zeit für zahlreiche innovative Projekte wie das SBLGNT, das Lexham Bible Dictionary, die Faithlife Study Bible oder die griechische Diskursgrammatik von Steven Runge mitverantwortlich. “Neuer Blog für Logos Deutsch” weiterlesen

Was ist ein Biblioblog?

Das "Evangelium der Frau Jesu"

Was ist ein Biblioblog? Die kurze Antwort lautet: Ein Blog über die Bibel. Um etwas weiter auszuholen: Der Begriff stammt aus dem Englischen, wo “Biblioblog” ein stehender Begriff ist für einen Blog, der sich mit der Bibel auseinandersetzt. Im deutschen Sprachraum dagegen ist der Begriff offenbar eher als Selbstbezeichnung bloggender Bibliothekare bekannt. Deutsche Blogs, die sich mit der Bibel befassen, laufen dagegen eher unter der Bezeichnung “Bibel-Blogs”.

Die angelsächsische “Biblio-Blogosphäre” ist übrigens höchst aktiv. Die Beiträge zur bibelwissenschaftlichen Forschung, die von bloggenden Exegeten gemacht werden, sind oft unersetzlich. 2012 wurde ein antikes Fragment veröffentlicht, auf dem von Jesu Frau die Rede zu sein scheint. Den bloggenden Experten gelang es binnen weniger Tage, den Pergamentfetzen fast zweifelsfrei als moderne Fälschung zu identifizieren. “Was ist ein Biblioblog?” weiterlesen

Die Werte des Schreibens

Wie einen neuen Blog beginnen? Vielleicht mit einer persönlichen Besinnung auf die Werte des Schreibens.

Der Theologe und Blogger Charles Halton hat vor einiger Zeit einen fast schon trivial klingenden, aber wertvollen Gedanken festgehalten: Das Schreiben ist ein Geschenk. Nicht für den Autor, sondern für die Leser. Wer schreibt, um bekannt zu werden, schreibt aus den falschen Motiven, so Halton, denn: Geniale literarische Werke lassen sich nicht planen. Halton schließt daraus für Akademiker: Genauso wenig kommt jemand zu bahnbrechenden neuen Forschungsergebnissen, wenn sich jemand in den Kopf setzt, im nächsten Jahr einen Nobelpreis zu gewinnen. Schreiben sollte man also quasi aus Vergnügen, zum uneigennützigen Selbstzweck, und nicht Kalkül.

Ich will diesen Gedanken aufs Bloggen übertragen: Auch dabei zählt die Motivation. Geht es mir um Selbstdarstellung? Oder ist mein Ziel, dass meine Leser einen Gewinn haben? “Die Werte des Schreibens” weiterlesen