Herr, segne dieses Smartphone

Herr, lass dieses Smartphone ein Werkzeug zum Guten sein.
Ich begreife dieses Gerät als einen spürbaren Erweis deines Segens,
für den ich dankbar sein will, indem ich ihn als Zeugnis deiner Güte verstehe.
Du lässt dein Angesicht scheinen über mir, und ich will es zu einem Segen für andere machen.

Hilf mir, meine Zeit damit nicht zu vergeuden,
sondern weise zu gebrauchen.
Ich will meine Zeit damit auskaufen,
will es als Zeitsparer und nicht als Zeitverschwender einsetzen.
Will es nicht zum Dienst am Mammon verwenden,
sondern mich in meinem Leben stets auf das Wesentliche konzentrieren.
Dieses Smartphone soll kein Altar meiner Launen sein,
sondern Hilfsmittel für einen Diener an deinem Altar.

Herr, dieses Smartphone ist wahrscheinlich nicht unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden.
Ich bitte dich für die zahlreichen Arbeiter aus aller Welt,
durch deren harte Arbeit es entstanden ist.
Ich bitte dich, dass du ihnen Hoffnung und Kraft durch das Evangelium schenkst,
und dass auch ihre Herren dich als ihren Herren erkennen.
Dieser Arbeiter will ich bei zukünftigen Kaufentscheidungen gedenken
und will dich für Sie um ein Ende der Ausbeutung bitten.

Herr, segne dieses Smartphone.

Dieses Jahr habe ich mir Anfang April anlässlich einer Geschäftsreise nach Deutschland endlich ein eigenes Smartphone zugelegt. Ich freue mich, dass das Wundergerät einige Dinge viel einfacher macht – war aber im Vorfeld auch nervös, ob das Handy keinen negativen Einfluss auf mein Leben nehmen würde.

Jahrelang stand ich schon in der Versuchung, konnte den Kauf aber vor mir selbst nie rechtfertigen. Da ich zuhause arbeitete, kamen meine Frau und ich gut zurecht, indem wir uns ihr iPhone teilten. Stattdessen besitze ich seit zwei Jahren ein Kindle-Tablet – wunderbar zum Lesen, aber auch für nicht viel mehr. Nun hätte ich eigentlich gerne ein fair hergestelltes Handy gekauft, aber verschiedene Faktoren haben das verhindert.

Mein literarisch sicherlich eher anspruchsloser bis grausamer Smartphone-Segen ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, für mich selbst einen vor Gott verantwortungsvollen Umgang mit dem Gerät festzulegen.

Die theologische Inspiration dazu kommt von Psalm 67 (1. Teil), Eph 5,15-20 und einigen Jesusworten der Bergpredigt (2. Teil). Die Gedanken im 3. Teil sind ein wenig von der Wirtschaftsethik des AT in Gesetz und Propheten sowie von Jak 5,1-6 beeinflusst.

Besonders wichtig ist mir bei meinem Smartphone aber, dass es mir nicht noch mehr Zeit wegfrisst, als ich ohnehin schon am Bildschirm verbringe. Dazu habe ich mir einige Richtlinien formuliert. Alles folgt dem Prinzip: Nicht am Bildschirm kleben.

Die vielen Ausnahmen funktionieren in der Praxis sehr gut – wer sich hier anregen lässt und große Probleme hat, das Handy wegzulegen, mag vielleicht eine rigorosere Linie nötig finden.

Meine Smartphone-Regeln:

  1. Zuhause und im Büro wird es weggelegt. Ausnahme: Zum Lesen von Ebooks und Artikeln.
  2. Im Auto ist es tabu. Ausnahme: Navigation
  3. Keine Social Apps. Ausnahme: Facebook (ohne Benachrichtigungen), das ich aber nur alle paar Wochen zum Teilen eines Artikels oder Fotos verwende. Social Media benutze ich sehr bewusst nur auf meinem Laptop.
  4. Keine Chat-Apps, insbesondere Facebok Messenger. Ich bin kein großer Chatter, deshalb komme ich damit zurecht, dass ich sowohl Whatsapp als auch eine andere App zum Chatten mit einem kleinen Kreis installiert habe. Es funktioniert, weil ich die Apps so wenig benutze. Da das Handy meist weggelegt ist, schaue ich ohnehin nicht ständig darauf.
  5. Strikte Kontrolle von Benachrichtigungen. Facebook-Benachrichtigungen sind aus, ebenso wie die anderer Apps, die keinen echten Mehrwert haben. Diese Maßnahme ist vielleicht die wichtigste. Die meisten Benachrichtigungen sind auf stumm geschaltet, sodass mein Handy nicht ständig piepst. Ich lasse im Wesentlichen nur Nachrichten, Emails und die gelegentliche Chat-Nachricht zu.
  6. Arbeit bleibt in der Arbeit. Auch Apps, die ich aus beruflichen Gründen installiert habe, dürfen mir keine Benachrichtigungen anzeigen. Finde ich einen ganz wichtigen Grundsatz in der Work-Life-Balance. Zur Produktivität habe ich ja einen Laptop.

Zum Weiterlesen: Ein Erfahrungsbericht: Was passiert, wenn man die Social-Apps und ihre Benachrichtigungen ausschaltet. (englisch)

Bildnachweis: Cristian Baron auf Unsplash

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