Es ist eine christliche Ermutigungsformel, die man hin und wieder hört: In der Bibel soll 365 mal „Fürchte dich nicht“ stehen – für jeden Tag des Jahres einmal. So auch in dem Facebook-Meme von Tobymac, das unglaubliche 190.000 mal geteilt wurde. Aber stimmt das wirklich?

Das sollte man eigentlich mit einem Bibelprogramm nachprüfen können. Die Kunst dabei ist nur, richtig zu zählen. Denn leider hat der anonyme Urheber dieses Zitats (es war nicht TobyMac) nicht überliefert, mit welcher Methode er auf die Zahl kam.

Mit anderen Worten:

Welche Wendungen sollte ich zählen? Und in welcher Übersetzung? Oder sollte ich gleich in den Urtext schauen?

Probieren wir es einfach mal. weiterlesen

Titelbild: Ein hingerissener (?) David wird von den jungen Damen bejubelt. Der Kopf des Riesen baumelt vergessen an seiner Hand.

Jedes Kind kennt die Geschichte von David und Goliat, wie der junge Hirte den gewaltigen Kämpfer mit einem Schuss seiner Schleuder erlegte und so das Heer der Philister besiegte. Das Auftreten des Riesen beschreibt die Bibel so:

Da kam ein Vorkämpfer aus dem Lager der Philister hervor. Sein Name [war] Goliat aus Gat. Seine Größe [war] sechs Ellen und eine Handspanne. (1Sam 17,4, eigene Übersetzung)

Sagte ich „Das Auftreten des Riesen“? Es stimmt schon, mit über sechs Ellen Größe ist Goliat über drei Meter groß und definitiv ein Riese. Aber „Riese“ wird der gewaltige Philister hier genau genommen gar nicht genannt. Die hebräische Bibel nennt den Giganten einen „Mann des Dazwischen“. Diese Bezeichnung benutzt die Bibel nur bei Goliat und nur hier, daher ist ihre Bedeutung unsicher. Die deutsche Übersetzung „Vorkämpfer“ schafft auch nicht gerade Klarheit. weiterlesen

Schon Luther hat es erkannt: Wenn man bei möchte, dass die Leute eine Bibelübersetzung verstehen, muss man „dem Volk auf’s Maul schauen“ und darf eben nicht an jeder Stelle wörtlich übersetzen. Sprachen lassen sich nicht 1:1 übersetzen; die Bibel ist da keine Ausnahme. Ein Wortspiel, das ein Jude im 1. Jahrhundert verstanden hätte, das verstand ein deutscher Bauer im 16. Jahrhundert noch lange nicht.

Die anonymen Übersetzer des Alten Testaments in Griechische setzten andere Prioritäten. Die so genannte „Septuaginta“ entstand in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Die Übersetzer wollten das Wort Gottes auf keinen Fall entstellen und bemühten sich um eine weitgehend „wörtliche“ Übersetzung. Heraus kam dann ein Griechisch, das eher Hebräisch klang. Es übertrug den hebräischen Satzbau direkt ins Griechische und verwendete griechische Verben so wie hebräische. Die Übersetzung war die einzige Möglichkeit für Griechisch sprechende Juden, die Hebräische Bibel zu lesen. Verständlich oder nicht, sie war ein so durchschlagender Erfolg, dass sie unter den frühen Christen Standard-Bibel war und an zahlreichen Stellen im Neuen Testament zitiert wird. Die Septuaginta war eine Übersetzung von Juden für Juden. Ich vermute allerdings, dass die Griechen darin eher einen weiteren Grund gefunden hätten, sich über dieses seltsame Volk zu amüsieren. Ein Volk mit nur einem Gott und merkwürdigen Bräuchen, da passte ein merkwürdiges religiöses Buch bestens, keine weiteren Fragen.

Offene Bibel und Luther: Es gibt Parallelen

Das Lächeln des Reformators: Die Offene Bibel ist gewissermaßen auf den Spuren Luthers (hier auf einem Gemälde von Lukas Cranach d. J., 1558)

Bis heute sind sich Übersetzer und Leser der Bibel nicht einig geworden, ob nun eine wörtliche oder eine auf Verständlichkeit ausgelegte Übersetzungsmethode besser ist. Das ist ja auch kein Wunder; beide Ansätze haben ihre Stärken – aber eben auch Schwächen. Keine Übersetzung kann zur gleichen Zeit völlig genau und optimal verständlich sein. Man kann entweder den Sinn des Textes möglichst getreu übertragen, oder seinen Wortlaut. Irgendwie unbefriedigend.

Aber muss man sich mit diesem Zustand zufrieden geben? Die Offene Bibel ist eine relativ neue deutsche Übersetzung, die sich nicht zufrieden gibt. weiterlesen

Auf dem deutschen Blog von Logos Bibelsoftware läuft momentan eine Reihe zur Menge-Bibel. Bis dato sind zwei Teile erschienen: 1. Wie Menge die Bibel entdeckte und 2. Die Menge-Bibel: Der Elchtest. UPDATE: Inzwischen ist auch der 3. Teil erschienen: Warum die Menge-Bibel in keiner Bibliothek fehlen sollte. Ebenfalls lesenswert.

Unser Schweizer Blogger Philipp Keller beschreibt in Teil 1 Menges persönlichen Hintergrund und Entdeckung der Bibel. In Teil 2 haben wir uns gemeinsam anhand von einzelnen Bibelstellen angesehen, wie Menge beim Übersetzen vorgegangen ist. weiterlesen

Was ist ein Biblioblog? Die kurze Antwort lautet: Ein Blog über die Bibel. Um etwas weiter auszuholen: Der Begriff stammt aus dem Englischen, wo „Biblioblog“ ein stehender Begriff ist für einen Blog, der sich mit der Bibel auseinandersetzt. Im deutschen Sprachraum dagegen ist der Begriff offenbar eher als Selbstbezeichnung bloggender Bibliothekare bekannt. Deutsche Blogs, die sich mit der Bibel befassen, laufen dagegen eher unter der Bezeichnung „Bibel-Blogs“.

Die angelsächsische „Biblio-Blogosphäre“ ist übrigens höchst aktiv. Die Beiträge zur bibelwissenschaftlichen Forschung, die von bloggenden Exegeten gemacht werden, sind oft unersetzlich. 2012 wurde ein antikes Fragment veröffentlicht, auf dem von Jesu Frau die Rede zu sein scheint. Den bloggenden Experten gelang es binnen weniger Tage, den Pergamentfetzen fast zweifelsfrei als moderne Fälschung zu identifizieren. weiterlesen