Genau und verständlich übersetzt? Die Offene Bibel und der Trick, der es möglich macht

Schon Luther hat es erkannt: Wenn man bei möchte, dass die Leute eine Bibelübersetzung verstehen, muss man “dem Volk auf’s Maul schauen” und darf eben nicht an jeder Stelle wörtlich übersetzen. Sprachen lassen sich nicht 1:1 übersetzen; die Bibel ist da keine Ausnahme. Ein Wortspiel, das ein Jude im 1. Jahrhundert verstanden hätte, das verstand ein deutscher Bauer im 16. Jahrhundert noch lange nicht.

Die anonymen Übersetzer des Alten Testaments in Griechische setzten andere Prioritäten. Die so genannte “Septuaginta” entstand in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Die Übersetzer wollten das Wort Gottes auf keinen Fall entstellen und bemühten sich um eine weitgehend “wörtliche” Übersetzung. Heraus kam dann ein Griechisch, das eher Hebräisch klang. Es übertrug den hebräischen Satzbau direkt ins Griechische und verwendete griechische Verben so wie hebräische. Die Übersetzung war die einzige Möglichkeit für Griechisch sprechende Juden, die Hebräische Bibel zu lesen. Verständlich oder nicht, sie war ein so durchschlagender Erfolg, dass sie unter den frühen Christen Standard-Bibel war und an zahlreichen Stellen im Neuen Testament zitiert wird. Die Septuaginta war eine Übersetzung von Juden für Juden. Ich vermute allerdings, dass die Griechen darin eher einen weiteren Grund gefunden hätten, sich über dieses seltsame Volk zu amüsieren. Ein Volk mit nur einem Gott und merkwürdigen Bräuchen, da passte ein merkwürdiges religiöses Buch bestens, keine weiteren Fragen.

Offene Bibel und Luther: Es gibt Parallelen
Das Lächeln des Reformators: Die Offene Bibel ist gewissermaßen auf den Spuren Luthers (hier auf einem Gemälde von Lukas Cranach d. J., 1558)

Bis heute sind sich Übersetzer und Leser der Bibel nicht einig geworden, ob nun eine wörtliche oder eine auf Verständlichkeit ausgelegte Übersetzungsmethode besser ist. Das ist ja auch kein Wunder; beide Ansätze haben ihre Stärken – aber eben auch Schwächen. Keine Übersetzung kann zur gleichen Zeit völlig genau und optimal verständlich sein. Man kann entweder den Sinn des Textes möglichst getreu übertragen, oder seinen Wortlaut. Irgendwie unbefriedigend.

Aber muss man sich mit diesem Zustand zufrieden geben? Die Offene Bibel ist eine relativ neue deutsche Übersetzung, die sich nicht zufrieden gibt. “Genau und verständlich übersetzt? Die Offene Bibel und der Trick, der es möglich macht” weiterlesen

Das leistungsfähigste Bibelprogramm: Logos 6 erschienen

Am vergangenen Montag ist Logos 6, die neue Version von Logos Bibelsoftware erschienen. Warum schreibe ich das überhaupt?, werden manche fragen, die Logos noch nie ausprobiert haben. Es ist weniger die Tatsache, dass ich momentan selbst einen kleinen Beitrag zum Programm leiste, als dass ich mir Bibelarbeit und Exegese ohne Logos einfach nicht mehr vorstellen kann.

UPDATE: Im Dezember 2015 sind die ersten deutschen Basispakete (Webseite) veröffentlicht worden. Hier meine detaillierte Analyse.

Was ist das Besondere an Logos?

Ich bin ja schon kurz auf das Programm eingegangen. Logos Bibelsoftware 6 hat nicht nur ganz tolle Funktionen, um den Bibeltext ohne viel Aufwand zu erforschen, beispielsweise Wortstudien zu machen, Kommentare und Wörterbücher ganz einfach nachzuschlagen oder Übersetzungen miteinander oder dem Urtext zu vergleichen. Genauso spannend sind die Werkzeuge, die einem zu einer Bibelstelle beispielsweise Material für die Predigtvorbereitung zusammenstellen. “Das leistungsfähigste Bibelprogramm: Logos 6 erschienen” weiterlesen

Die Verfasser der Evangelien: Wie die Evangelienüberschriften verbreitete Thesen in Frage stellen

Eusebius' Kanontafel aus einer mittelalterlichen Handschrift nennt die vier Evangelien

Titelbild: Die Kanontafel von Eusebius (hier in einem schön illustrierten Buch aus dem Mittelalter) führt die Evangelien unter den traditionellen Verfassernamen.

Dass die eigentlichen Urheber unserer Evangelien heute nicht mehr auszumachen sind, ist in der modernen Evangelienforschung weiterhin eine häufig vertretene Annahme. Nicht einmal die Bibel selbst scheint uns ja wirklich verraten zu wollen, wer die Evangelien geschrieben hat. Zwar beginnt jedes der vier Bücher auch im Griechischen mit einer Überschrift, die den Namen des Verfassers enthalten soll: “(Evangelium) nach Markus”, usw. Aber viele Forscher nehmen an, dass diese Angaben erst später ergänzt wurden, um diese Berichte von Jesus als besonders zuverlässig darzustellen. Kein Wunder, denn Matthäus, Johannes Markus, Lukas und Johannes waren in der frühen Kirche angesehene Männer, deren Wort Gewicht hatte.

Ein verbreitetes Erklärungsmodell

Diese Erklärung klingt vielleicht erst einmal weit hergeholt, lässt sich aber ganz gut begründen. “Die Verfasser der Evangelien: Wie die Evangelienüberschriften verbreitete Thesen in Frage stellen” weiterlesen

Wie gut ist die Menge-Bibel?

Die Einheitsübersetzung soll Open Access werden

Auf dem deutschen Blog von Logos Bibelsoftware läuft momentan eine Reihe zur Menge-Bibel. Bis dato sind zwei Teile erschienen: 1. Wie Menge die Bibel entdeckte und 2. Die Menge-Bibel: Der Elchtest. UPDATE: Inzwischen ist auch der 3. Teil erschienen: Warum die Menge-Bibel in keiner Bibliothek fehlen sollte. Ebenfalls lesenswert.

Unser Schweizer Blogger Philipp Keller beschreibt in Teil 1 Menges persönlichen Hintergrund und Entdeckung der Bibel. In Teil 2 haben wir uns gemeinsam anhand von einzelnen Bibelstellen angesehen, wie Menge beim Übersetzen vorgegangen ist. “Wie gut ist die Menge-Bibel?” weiterlesen