Was ist ein Biblioblog?

Was ist ein Biblioblog? Die kurze Antwort lautet: Ein Blog über die Bibel. Um etwas weiter auszuholen: Der Begriff stammt aus dem Englischen, wo “Biblioblog” ein stehender Begriff ist für einen Blog, der sich mit der Bibel auseinandersetzt. Im deutschen Sprachraum dagegen ist der Begriff offenbar eher als Selbstbezeichnung bloggender Bibliothekare bekannt. Deutsche Blogs, die sich mit der Bibel befassen, laufen dagegen eher unter der Bezeichnung “Bibel-Blogs”.

Die angelsächsische “Biblio-Blogosphäre” ist übrigens höchst aktiv. Die Beiträge zur bibelwissenschaftlichen Forschung, die von bloggenden Exegeten gemacht werden, sind oft unersetzlich. 2012 wurde ein antikes Fragment veröffentlicht, auf dem von Jesu Frau die Rede zu sein scheint. Den bloggenden Experten gelang es binnen weniger Tage, den Pergamentfetzen fast zweifelsfrei als moderne Fälschung zu identifizieren. Einer der Theologen entdeckte nämlich, dass das Fragment im Wesentlichen aus einer Online-Ausgabe des Thomas-Evangeliums kopiert war. Jüngste akademische Veröffentlichungen (nach fast zwei Jahren Anlaufzeit!) haben diese Analyse bereichert, aber im Wesentlichen bestätigt.

So dynamisch die englischsprachige Biblioblogosphäre ist – im deutschsprachigen Web sind mir kaum Seiten bekannt, die sich mit solchen Themen befassen. Oder sich überhaupt näher mit der wissenschaftlichen Erforschung des Bibeltext auseinandersetzen. Die bekanntesten deutschen Bibelblogs liefern eher Devotionales und geistliche Impulse zum Bibellesen, als “handfeste” Hintergründe.

Aber es gäbe noch so viel mehr zu berichten von der Bibel und aus dem bibelbezogenen Internet! Es wird Zeit, dass ein deutscher Blog diese Nische füllt. Exegetische Texte, News zu Bibelübersetzungen, Bibelprogrammen, Kommentaren oder exegetischen Entwicklungen, Beiträge zur Textkritik, Kommentar-Besprechungen, Links – all das soll es hier geben.

Dabei liegt mir am Herzen, dass meine Beiträge auch für normale Leser verständlich und, vor allem, interessant sind. Nicht nur will ich für Außenstehende auf akademische Themen aufmerksam machen, sondern auch selbst immer wieder Schlaglichter auf einzelne Abschnitte werfen, Hintergründe und aufgeworfene Fragen erklären.

Es gibt ja eine Menge Bibelstellen, die man heute ohne entsprechendes Hintergrundwissen einfach nicht mehr richtig verstehen kann. Bei der Offenen Bibel etwa müssen wir in der Studienfassung immer wieder längere Fußnoten setzen, um einzelne Stellen zu erklären. Aufwendig, aber nötig, denn die Studienfassung der Offenen Bibel will ja möglichst zu jeder Stelle alle relevanten Informationen sammeln. Mehr als einmal habe ich mir beim Übersetzen da schon gewünscht, die festgehaltaenen Erkenntnisse einmal breiter zugänglich machen zu können.

Noch einmal zurück zur Ausgangsfrage. Was ist ein Biblioblog? Unter den Bloggern gibt es unterschiedliche Vorstellungen, was einen Biblioblog ausmacht. Manche erheben den Anspruch, so ein Blog müsse sich in die akademische bibelwissenschaftliche Diskussion einbringen. Am besten stammt er auch gleich von einem gestandenen Experten, mindestens einem Doktoranden! Solche Ansprüche könnte ich nicht erfüllen. Erstens fehlen mir die wissenschaftlichen Qualifikationen, zweitens würde ein akademischer Blog auf Deutsch auch zu wenig Leser erreichen. Zum Glück ist die Bezeichnung nicht geschützt. Es gibt dann auch Stimmen, die von einem Biblioblog einfach erwarten, dass er sich mit bibelbezogenen Themen auseinandersetzt und das einigermaßen sachkundig tut. Passt also! 😉

Bildnachweis: Wikimedia Commons. “Gospel of Jesus’ Wife” von Unbekannt, Quelle http://www.abc.es/20120919/sociedad/abci-jesucristo-papiro-casado-201209191002.html. Nach Wikipedia-Angaben gemeinfrei.

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