Wie gut ist die Menge-Bibel?

Auf dem deutschen Blog von Logos Bibelsoftware läuft momentan eine Reihe zur Menge-Bibel. Bis dato sind zwei Teile erschienen: 1. Wie Menge die Bibel entdeckte und 2. Die Menge-Bibel: Der Elchtest. UPDATE: Inzwischen ist auch der 3. Teil erschienen: Warum die Menge-Bibel in keiner Bibliothek fehlen sollte. Ebenfalls lesenswert.

Unser Schweizer Blogger Philipp Keller beschreibt in Teil 1 Menges persönlichen Hintergrund und Entdeckung der Bibel. In Teil 2 haben wir uns gemeinsam anhand von einzelnen Bibelstellen angesehen, wie Menge beim Übersetzen vorgegangen ist. Die untersuchten Bibelstellen habe ich dabei übrigens mithilfe der Offenen Bibel aufgespürt. Hier eine Kostproben:

Im Gegensatz zu Menge hatte z.B. Luther die Bibel darum übersetzt, weil das “normale Volk” die damaligen Bibelübersetzungen nicht verstand. Er wollte die Bibel unters Volk bringen. Er glaubte an “sola scriptura” – die Schrift als endgültige Richtschnur; und da war seine Bibel ein Mittel zum Zweck. Menge aber übersetzte die Bibel in der Absicht, Gott zu finden. Und Gott ließ sich finden: allmählich öffnete der Geist Gottes ihm die Geheimnisse der Schrift. Und in diesem Prozess entstand eine ganze Übersetzung. Die Übersetzung ist sozusagen das Ergebnis von 17 Jahren ununterbrochener stiller Zeit. Es ist die Freude über die Schrift, Teil von Menges Anbetung. Und das, denke ich, macht diese Übersetzung so einzigartig.

Meine eigene Einschätzung von Menges Übersetzung hat Philipp größtenteils in den finalen Text eingearbeitet:

Die Menge-Bibel tritt sprachlich oft aus unserer Zeit heraus. Viele Wendungen sind uns heute nicht mehr vertraut. Die Fellkleider, die Gott Adam und Eva in Gen 3,21 macht, oder Josefs schönes Gewand (Gen 37) heißen bei ihm etwa noch “Rock”. Da merkt man: Anders als beispielsweise die Luther-Bibel hat Menges Übersetzung niemals eine Revision erfahren.

Andererseits gelingen ihm oft ganz eigene Formulierungen, was seiner Übersetzung einen unverwechselbaren Charakter verleiht. So gelingt ihm in Mk 6,33 eine Punktlandung: Jesus und die Jünger versuchen da erfolglos, der Menschenmenge per Schiff zu entkommen. Ganz prägnant gibt Menge hier die wahrscheinliche Aussage-Absicht des Evangelisten einer Wendung wieder, die beispielsweise die Elberfelder Bibel hölzern mit “viele … erkannten sie” übersetzt. Bei Menge heißt es dagegen: “viele hatten ihre Absicht gemerkt”. Die Menschenmenge hat also nicht nur die Menschen im Boot erkannt, sondern auch ihr Reiseziel vorausgeahnt – deshalb heißt es anschließend auch, dass die Menge der Reisegruppe vorauseilte und sie am Ankunftsort erwartete. Immer wieder beweist Menge so ein Händchen für nicht zu freie, aber sinngetreue Übersetzungen.

Menges Sprache wird auf manche heutige Leser ungewohnt und stellenweise sperrig wirken. Aber für viele Leser könnte es sich lohnen, beim Bibelstudium neben den gewohnten Übersetzungen auch einmal einen Blick in die Menge-Bibel zu werfen. Gerade durch ihren ganz eigenen Charakter kann sie dem Leser dabei helfen, vertraute Texte neu zu entdecken. Nicht ohne Grund gehört die Menge-Bibel auch ca. 90 Jahre nach ihrer Veröffentlichung zu den angesehensten deutschen Bibelübersetzungen.

Links:
Hier könnt ihr die Mengebibel online lesen
Wie Menge die Bibel entdeckte (Teil 1)
Die Menge-Bibel: Der Elchtest (Teil 2)
Warum die Menge-Bibel in keiner Bibliothek fehlen sollte
Im Offene-Bibel-Blog: Die Wahnsinnsmöglichkeiten der Studienfassung: Wie ich die Offene Bibel benutzt habe, um eine andere Übersetzung zu analysieren

 

 

Bildnachweis: taytomFFM, Heilige Schrift via photopin (CC BY-NC-SA 2.0 Lizenz)

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