Gesellschaft

Neuköllner Schattenseiten: Wenn das Verbrechen auf die Straße kommt

David Wagner13. Juni 20262 Min Lesezeit

Ich finde es äußerst bedenklich, wie die organisierte Kriminalität in Berlin zunehmend an Einfluss gewinnt, insbesondere in Stadtteilen wie Neukölln. Jetzt haben wir den jüngsten Vorfall, bei dem zwei junge Männer in die Beine geschossen wurden. Das ist nicht nur ein brutaler Akt der Gewalt, sondern auch ein Indikator dafür, dass wir in einer Stadt leben, in der die Gesetze der Straße oft über die geltenden Gesetze des Landes gestellt werden. Es ist wie ein schleichendes Gift, das sich in der Gesellschaft ausbreitet und überall seine zerstörerische Wirkung entfaltet.

Erstens ist die Normalisierung von Gewalt erschreckend. Wenn solch brutale Übergriffe zur Tagesordnung gehören, verlieren die Menschen die Angst vor den Konsequenzen ihres Handelns. Das führt dazu, dass sich das Gefühl von Sicherheit in der eigenen Nachbarschaft weiter abschwächt. Es ist nicht mehr nur ein Thema für die „Passanten“ oder „Anderen“, sondern berührt auch die Lebensrealität von all jenen, die in diesen betroffenen Gebieten leben. Die Frage ist nicht, ob man morgen das Haus verlässt, sondern mit welcher Art von Gefahr man dabei rechnen muss.

Zweitens stellt sich die Frage nach der Rolle des Staates und der Polizei. Es ist erstaunlich, wie wenig in den letzten Jahren unternommen wurde, um die Wurzeln dieser Kriminalität zu bekämpfen. Man fragt sich, ob die Behörden aus Angst oder aus Unfähigkeit nicht handeln. Die Beunruhigung der Bürger wird oft als ein Faktor betrachtet, aber die tatsächlichen Maßnahmen scheinen auf der Strecke zu bleiben. Wenn die Bürger sehen, dass der Rechtsstaat nicht durchsetzungsfähig ist, schwindet ihr Vertrauen in die Institutionen weiter.

Ein möglicher Einwand könnte lauten, dass nicht alle Jugendlichen in diesen Vierteln in die Kriminalität verwickelt sind. Das ist unbestreitbar. Es gibt viele, die um einen besseren Weg kämpfen, die sich nicht mit dieser Welt identifizieren können. Doch der schleichende Einfluss der organisierten Kriminalität dringt in alle Schichten ein. Die gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die diese Gesellschaftsschichten plagen, bieten einen fruchtbaren Boden für das Wachstum solcher Strukturen. Die Abwesenheit von Perspektiven lässt viele in die Arme der Gangster fallen, was die Problematik nicht nur persönlicher, sondern vielmehr struktureller Natur macht.

Wenn Gewalt zum Mittel der Anstrengung wird, ist das ein Signal, das weit über die betroffenen Einzelpersonen hinausgeht. Es beeinflusst das gesamte soziale Gefüge und führt zu einer verstärkten Stigmatisierung der bereits benachteiligten Stadtteile. Die als „Ghettos“ abgetan werden, in denen die kriminellen Machenschaften blühen, und wo die echten Probleme der Menschen darin nicht wahrgenommen werden.

Es wird Zeit, dass wir den Diskurs ändern. Die Bevölkerung muss über die Banalität der Gewalt nicht nur informiert, sondern auch engagiert werden, um Lösungen zu finden. Die Politik fordert eine Rückkehr zu den Wurzeln des Problems: Bildung, Integrationsmaßnahmen und eine gezielte Förderung der Jugendlichen. Wenn das kein Aufruf zur Tat ist, weiß ich nicht, was es sonst sein sollte.

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